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Wenn die Schaffung von Klangerlebnissen auch stets der Vergänglichkeit anheim fällt, geht das Ensemble über das Performative hinaus, indem es einen Korpus schafft - eine Markierung im Fluss der Zeit, die Bildung eines Repertoires.

Das 2008 gegründete Ensemble SoloVoices widmet sich der Aufführung neuer und zeitgenössischer Musik. Das aus vier Stimmen bestehende Quartett, zwei Sängerinnen und zwei Sängern, sucht bei der Auswahl seines Repertoires - von den 60er Jahren bis heute - und in den Uraufführungen, die es ausführt, bewusst die Komplexität. SoloVoices arbeitet oft mit den Komponist:innen zusammen und setzt sich dabei einem musikalischen Material mit vielen Unbekannten aus - es bewegt sich in einem Raum, in dem nichts sicher ist. Die musikalische Plastizität muss erfasst, die Musik «performt» werden.

Seit 2015 widmet SoloVoices einen Teil seines Repertoires den Werken für Stimmen und Elektronik.

Im Gefolge von Electric Phoenix, das seit dem Ende der 70er Jahre klassische und elektronische Musik mischte, arbeitet das Ensemble an einer neuen Klangästhetik. Es engagiert sich für eine Musik, die im Stil freier und in Bezug auf die Form vielfältiger ist. Um elektronische Stücke aus dem späten 20. Jahrhundert wieder aufzuführen, arbeitet das Quartett mit dem ICST - Institute for Computer Music and Sound Technology - von Zürich zusammen. Zusammen widmen sie sich der Erforschung einer Vielzahl elektronisch verstärkter Klänge, deren für die Erzeugung ursprünglich verwendete Geräte durch die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklungen obsolet wurden.

2016 führte SoloVoices eine Version von Stockhausens «Stimmung» auf, einem musikalischen Denkmal, das nicht nur das klassische Repertoire, sondern im weiteren Sinne auch die Klangwelt des 20. Jahrhunderts auf den Kopf gestellt hat. Das Ensemble erhielt dabei die Möglichkeit, mit den ursprünglichen Interpret:innen von «Stimmung» sowie der Stockhausen-Stiftung für Musik zusammenzuarbeiten, die sie in der Folge als die neuen Erben von Stockhausen vorstellte.

SoloVoices setzt sich mit Repertoire auseinander, deren Faktur grenzwertig ist. Das Seiltänzer-Ensemble tastet sich dabei vorwärts, stösst mit dem Kopf an, experimentiert ohne sichere Aussicht auf Erfolg - so entsteht schliesslich ein musikalisches Universum, in dem jeder Klang greifbar wird. Eine manchmal berauschende, manchmal beunruhigende Klangumgebung wird gestaltet, die einen aber durch ihre luftige Textur umfasst und hält.

  • Svea stammt aus Heidelberg, Deutschland, und erhielt ihre musikalische Ausbildung in Gesang, Klavier, Violine, Dulzian, Dirigieren und Musiktheorie. Sie studierte Schulmusik, Gesang und Englisch in Freiburg und Basel. Neben ihrer Tätigkeit als Lied- und Oratoriensängerin ist Svea sehr engagiert im Bereich Neue Musik, führt zahlreiche Werke in Uraufführung auf, singt mit renommierten Ensembles der zeitgenössischen Musik und ist regelmäßig auf bedeutenden Festivals zu Gast. Sie sang Musiktheater-Produktionen unter anderem am Theater Basel, Theater Freiburg, Theater Rigiblick Zürich. CDs unter ihrer Mitwirkung erhielten den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und den International Classical Music Award. Svea ist Gründungsmitglied vom Ensemble SoloVoices. Sie unterrichtet Gesang an der Musikhochschule Freiburg und ist Stimmbildnerin für die Mädchenkantorei am Freiburger Münster.

  • Francisca studierte Gesang und Chorleitung in Neuchâtel, Zürich, Den Haag und Basel. Sie spezialisierte sich auf zeitgenössische Musik und wirkte bei zahlreichen Uraufführungen mit. Ihr Interesse für Alte Musik führte sie an die Schola Cantorum Basiliensis. 2008 war sie Mitbegründerin des Ensembles SoloVoices. Francisca singt in verschiedenen professionellen Ensembles wie der Bach Stiftung St. Gallen, dem Vokalensemble Zürich und dem Ensemble Origen und wirkt bei unabhängigen Musiktheaterprojekten mit. Sie unterrichtet Gesang an der Allgemeinen Musikschule Muttenz und erteilt Stimmbildungsunterricht bei der Münsterkantorei Basel. Francisca arbeitet ausserdem als Logopädin. 2006 war sie Preisträgerin des Concours Nicati, eines öffentlichen Wettbewerbs für zeitgenössische Musik.

  • Der aus Kanada stammende Jean-Jacques Knutti studierte Mathematik an der ETH Zürich sowie Gesang und Horn am Konservatorium Zürich. Nach seinem Besuch des Opernstudio Biel widmete er sich Tenor- und Baritonrollen in Opern des 20. Jahrhunderts. Er wirkte in mehr als 35 Opern am Theater Biel und in unabhängigen Produktionen in der Schweiz und im Ausland mit, unter anderem in Uraufführungen von Klaus Huber, Jost Meier, Mischa Käser, Chaya Chernowin... Er singt und komponiert für SoloVoices und engagiert sich gleichzeitig in Kammermusikensembles wie dem Vokalensemble Zürich. Jean-Jacques verfolgt seine Arbeit als Dirigent und Komponist und unterrichtet ausserdem Gesang und Mathematik an der Kantonsschule Küsnacht. Er hat sich zahlreichen musikwissenschaftlichen Forschungen zur zeitgenössischen Musik gewidmet und über die Beziehung zwischen John Cage und Japan promoviert.

  • Mit «extrêmement oisif, extrêmement libre, et par nature et par art», hat Jean-Christophe Groffe in der Musik eine Lebensweise gefunden, die diesem Temperament entspricht. Als Künstler ist Jean-Christophe Groffe wegen seiner fundierten Kenntnisse und Erfahrungen im alten (Renaissance) und zeitgenössischen Repertoire gefragt. Er ist auch für seine Forschungsarbeit (insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Institute for Computer Music and Sound Technology-ZHdK) und seine Tätigkeit als Moderator und Kurator von eigenständigen Projekten bekannt. Er ist Gründer und künstlerischer Leiter von thélème, einem Ensemble, das sich einer offenen und originellen Interpretation von Werken der Renaissance verschrieben hat, und Mitglied und co-Leiter mit Francisca Näf des Ensembles SoloVoices, das sich mit zeitgenössischer und experimenteller Musik beschäftigt. Jean-Christophe Groffe hat an zahlreichen Aufnahmen mitgewirkt und ist regelmässig Gast in Radiosendungen. Das Album "Baisiez moi" (thélème/Aparté) wurde 2022 mit dem renommierten Gramophone Classical Music Award (Early Music) ausgezeichnet. Im Jahr 2024 drehte Jean-Christophe Groffe als Regisseur ein Musikvideo unter Mitwirkung von Sting (der auch als Sänger auf dem Thélème-Album „All we get is life“ zu hören ist) und setzte damit seinen Wunsch fort, die Grenzen der Musikgenres zu überschreiten.